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Sie hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich: die US-Erkennungsmarke. Umgangssprachlich auch als „Hundemarke“ bezeichnet, dient die Erkennungsmarke vorrangig der Identifizierung gefallener Soldaten. Dazu enthält sie diverse eingravierte Angaben, die eine zweifelsfreie Erkennung des toten Soldaten erlauben. Diese Daten variieren von Land zu Land, in der Regel beinhalten sie aber alle eine Personenkennziffer, ein Landeskennzeichen und die Blutgruppe. Bestand früher für die Soldaten eine Pflicht zum Tragen der Erkennungsmarke, sobald sie im Dienst sind, ist die Erkennungsmarke heute eher zum modischen Accessoire für junge Leute geworden. Mit individueller Gravur versehen, passt sie zu sportlicher und legerer Kleidung und ist bei Jugendlichen und Junggebliebenen als Schmuckstück äußerst beliebt.

Sinn und Zweck der US-Erkennungsmarke

Im amerikanischen Sprachgebrauch auch „Dog Tag“ genannt, gleicht die US-Erkennungsmarke auf den ersten Blick tatsächlich einer Hundemarke. Sie wird von Angehörigen des US-Militärs aller Einheiten getragen und dient der Identifizierung toter und verwundeter Soldaten. Dazu enthält sie wichtige medizinische Informationen, aber auch Angaben zur Religionszugehörigkeit.

Herstellung aus rostfreiem Material

US-Erkennungsmarken werden in der Regel hergestellt aus Aluminium oder rostfreiem Stahl, damit sie auch bei widrigsten Wind- und Wettereinflüssen beständig und lesbar bleiben. In Kriegszeiten – wenn hochwertige Metalle nicht mehr verfügbar waren – wurden sie allerdings aus jeglichem Metall angefertigt, das irgendwie verfügbar war. Die Marke wird beim US-Militär noch heute in Kombination mit einem roten Anhänger getragen, wenn der Soldat eine Erkrankung hat, die eine bestimmte medizinische Behandlung erforderlich macht. Damit ist auf einen Blick erkennbar, dass an diesem verwundeten Mitglied des Militärs eine bestimmte Behandlung vorgeschrieben ist.
Üblicherweise besteht die Erkennungsmarke des US-Militärs wie viele andere Marken auch aus zwei Bestandteilen, die nahtlos zueinander passen. Während die eine Hälfte am Körper des gefallenen oder verwundeten Soldaten verbleibt, wird die andere Hälfte seiner Einheit oder seiner Armee übergeben. Damit wird die Wiedererkennung des Verwundeten oder Getöteten sichergestellt.

Zur Geschichte der Erkennungsmarke

Im Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 [2] hatten Soldaten erstmals Name und Heimatanschrift auf Papier an ihren Jacken und Mänteln befestigt. Alternativ wurden Gürtel und andere Teile der Uniform mit diesen Daten beschriftet. Damit wollte man den Hinterbliebenen im Fall des Falles eine Nachricht zukommen lassen und selbst leichter zu identifizieren sein. Doch schon bald erkannten findige Hersteller das Potenzial für diesen Markt und begannen, erste Anstecknadeln herzustellen, auf denen der Name und die Einheit des Soldaten eingraviert waren. Häufig waren diese Nadeln mit einem Adler oder ähnlichen Wappentieren versehen und trugen Aufschriften wie „War for the Union“ oder „Liberty, Union and Equality“. Auch der Name des Soldaten war eingraviert, seine Einheit und manchmal sogar die Liste der Schlachten, an denen er teilgenommen hatte.
Auch im Ersten Weltkrieg kam die US-Erkennungsmarke zum Einsatz. Am 20. Dezember 1906 [1] wurde die Anfertigung von Erkennungsmarken für die US-Army zum ersten Mal genehmigt. Sie bestand aus Aluminium, hatte die Größe eines halben Dollarstücks und war entsprechend dick, und sie enthielt den Namen, den Rang und das Regiment des Trägers. Sie musste immer getragen werden, wenn der Soldat im Dienst war oder in Uniform war. Ab dem Jahr 1913 waren die US Erkennungsmarken noch freiwillig, 1917 [3] wurde es dann in der US Army zur Pflicht, sie bei jedem Einsatz zu tragen.
Im Jahr 1916 wurde die Ausführung geändert. Von diesem Zeitpunkt an bestand die Marke aus zwei Teilen. Eines der beiden Teile wurde am Körper getragen, das andere verblieb bei der Person, die im Fall des Falles für die Beerdigung zuständig sein sollte. Im Jahr 1918 [1] wurde dann ein Nummernsystem eingeführt, das dafür sorgte, dass der Name und die Seriennummer eingraviert wurden.
Während die Erkennungsmarke im Zweiten Weltkrieg zunächst nur von der US-amerikanischen Marine getragen wurde, folgten nach dem Zweiten Weltkrieg auch die US-Armee und die Luftwaffe. Heute ist ein einheitlicher Standard eingeführt, nach dem alle Säulen des amerikanischen Militärs identische Marken mit den gleichen Inhalten tragen.
Eine Besonderheit kommt der Religionszugehörigkeit zu. Noch im Zweiten Weltkrieg war die Verwendung von einzelnen Buchstaben für die Religionen „Protestantisch“, „Römisch-Katholisch“ und „Jüdisch“ in Gebrauch, ebenso konnte angezeigt werden, dass man keiner Religion zugehörig war. Erst mit dem Vietnam-Krieg wurde die Zugehörigkeit zu weiteren religiösen Gruppen erweitert, so dass ab diesem Zeitpunkt noch zusätzliche Religionen aufgedruckt werden konnten. Gerade die Religionszugehörigkeit wurde häufig allerdings nicht angegeben, befürchtete man doch eine Leichenschändung oder eine schlechte medizinische Behandlung, wenn man mit einer bestimmten Religion in die falschen Hände fiel. So wichtig die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgruppe also war, so sehr hatte man Grund, sie zu verschleiern, um nicht aufgrund der Religion misshandelt zu werden.
Im Jahr 1969 folgte die Sozialversicherungsnummer, die den Daten ab sofort hinzugefügt wurde. Eine Besonderheit war im späteren Vietnam-Krieg zu verzeichnen. Hier wurde eine gummibeschichtete kleine Platte zwischen den Hundemarken eingefügt, so dass beim Laufen oder Bewegen keine metallischen Geräusche zu hören war. Damit durfte man sicher sein, vom Feind nicht so schnell gehört zu werden.
Eine Tradition hat sich bis heute eingebürgert: Gefallene Soldaten werden bei ihrer Beerdigung mit ihren aufgebahrten Stiefeln, Gewehren und ihrer Hundemarke ein letztes Mal geehrt.

Die Daten auf der Hundemarke

Die eingravierten Informationen auf der Marke sind im Wesentlichen identisch. Trotzdem gibt es eine Reihe von kleineren Unterschieden. So hat die Air Force in der Regel den Vor- und Nachnamen, die Sozialversicherungsnummer, die Blutgruppe und die Religion eingraviert. Dazu werden unterschiedliche Anordnungen gewählt. Die US-Navy verwendet die gleichen Angaben in einer wiederum anderen Anordnung, und auch die US-Army hat ihre eigenen Vorgaben bezüglich des Aussehens der Marke.

Vom Erkennungsmerkmal zum Mode-Accessoire

Für Angehörige des Militärs mag es unglaublich anmuten: Aus dem früher lebenswichtigen Anhängsel der Soldaten ist heute ein modisches Accessoire für junge Leute geworden. Obgleich die US-Erkennungsmarke noch immer bei den weltweiten Einsätzen des US-Militärs verwendet wird, verwenden junge Leute die Marke heute, um ihre Garderobe damit etwas aufzuwerten. Das allerdings geschieht durchaus mit einem gewissen Hintergrund. Viele Jugendliche wollen damit etwas stärker und fast militant angehaucht verstanden werden, mindestens aber wollen sie Modebewusstsein demonstrieren und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse nach außen hin deutlich machen.
Gerne steht die Hundemarke dann auch für ihre Religion, ihren Glauben oder auch nur für den Namen der Lieblingsmusik oder als Ausdruck der inneren Überzeugung und Lebenseinstellung. Die große und rustikal wirkende Marke kann außerdem versilbert oder vergoldet werden und wirkt dann noch etwas filigraner und ist einem kleinen Schmuckstück angemessen. Heute ist aus daraus ein Markt entstanden, der individuelle Gestaltungen jegliche Möglichkeiten gibt, so dass man seine ganz persönliche US-Erkennungsmarke als modisches Accessoire anfertigen kann.

Quellennachweise:

1. http://en.wikipedia.org/wiki/Dog_tag#First_World_War
2. http://de.wikipedia.org/wiki/Sezessionskrieg
3. http://www.qmfound.com/short_history_of_identification_tags.htm

Weiterführende Literatur:

Deutsche Erkennungsmarken. Von den Anfängen bis heute – Jean Höidal